Adrian Bracher in der E-Rikscha auf der Brücke in Bern

Rikschafahrer mit Herz und Blut

E-Rikschas erfreuen nicht nur Kinder, Passanten und Lyreco Kunden, sondern auch die Umwelt. In Bern gehört das ökologische und effiziente Transportmittel inzwischen zum Stadtbild. Die Fahrer sind gleichzeitig Kuriere und Markenbotschafter. Vor allem aber sind sie mit Leidenschaft unterwegs. Er ist einer von ihnen: Adrian Bracher.

Kalt pfeift der Wind um die Ohren an diesem sonnigen Wintertag in Bern. Gänzlich unbeeindruckt von den kühlen Temperaturen und mit einem Lächeln im Gesicht macht sich Adrian Bracher mit seiner E-Rikscha zur ersten Liefertour des Tages auf. Dass Berner als langsam und gemütlich gelten, merkt man Adrians Fahrstil nicht an. Schnell und wendig bewegt er das dreirädrige Gefährt durch die Gassen der Altstadt. Keine Sekunde sieht man ihm sein Alter an: 52 wird er dieses Jahr.

Lyreco Rikschafahrer Adrian Bracher in seiner Kaffeepause (Foto: Fabian Hugo)

 

Per Zufall zum Traumjob

Als Rikschafahrer ist er seit 2018 unterwegs. Wie kommt man zu diesem nicht ganz alltäglichen Job? «Nach 20 Jahren als Piercer und Goldschmied wollte ich einfach etwas Neues machen. Als ich die Stellenausschreibung bei Rikscha Taxi vis-à-vis von meinem Zuhause sah, dachte ich mir: Wieso nicht?» Dass ihm der Job so gut gefallen würde, das ahnte der gelernte Tiefbauzeichner damals nicht. Er begann auf Stundenbasis, erhöhte nach einiger Zeit sein Pensum und ist heute mit 80 Prozent fest angestellt. Seine grösste Motivation bei der Arbeit ist das Rikschafahren selbst. «Mit dem Auto würde ich den Job nicht machen. Es muss für mich die Rikscha sein», sagt Adrian voller Überzeugung. «Man ist schnell, wendig, kommt überall durch. Beim Fahren Musik hören, draussen sein bei schönem Wetter, das motiviert mich.»

Man ist schnell, wendig und kommt überall durch.

Adrian Bracher
Rikschafahrer, Rikscha Taxi Schweiz AG, Bern

Gut geplant ist halb gewonnen

Es sei aber nicht immer eitel Sonnenschein, der Job habe es auch in sich. Um 6.50 Uhr beginnt der Arbeitstag mit dem Sortieren der angelieferten Pakete. Dabei geht Ädu, wie er von allen genannt wird, bereits im Kopf die entsprechende Route durch. Anfangs war die Adresssuche noch eine Herausforderung, inzwischen weiss er genau, wohin er muss. 

Lyreco E-Rikscha in Bern wird beladen (Foto: Fabian Hugo)

Mehr Planung bedarf es beim Einladen der Pakete im Hinblick auf deren Grösse und Gewicht. Und auch die Leergutrücknahme beim Kunden muss eingeplant werden. «Es ist wie Tetris. Was ich nicht gleich am Anfang richtig koordiniere, rächt sich später, wenn ich unterwegs bin.» Unterwegs, das ist der sympathische Kurier ab 8 Uhr. Bis auf die Mittagspause heisst es für ihn den ganzen Tag: ausliefern, zurückfahren, neu beladen, ausliefern – bis schliesslich alle Pakete beim Kunden sind. «Manchmal sieht man morgens nur Paketberge. Dann heisst es: einfach loslegen und machen», sagt er schmunzelnd. Bis 200 Pakete sei es in der Regel kein Problem, bei mehr könne es schon streng werden. Dann springen auch die Chefs mal ein – im Team schafft man alles.

Für die grüne Auslieferung ist Muskelkraft gefragt

Wie anstrengend ist es, eine E-Rikscha zu fahren? «An sich gar nicht. Es kommt auf das Transportgewicht an, auf die Route, die Steigung und die Anzahl der Pakete», fasst Adrian zusammen. «Ab einer Beladung von 150 Kilogramm wird es anstrengender. Ein Spitzentagesvolumen mit 1000 Kilo verteilt auf mehrere Auslieferfahrten bedeutet gleichzeitig 1000 Kilo sortieren, verschieben, ausliefern und oft auch in den zweiten oder dritten Stock hinauftragen. Im Schnitt sind es zum Glück ‹nur› 650 Kilo pro Tag. Eine gute Grundfitness sollte also definitiv vorhanden sein, wenn man an einem Tag 35 bis 50 Kilometer zurücklegt und etwa 125 Päckli zu 40 bis 50 Kunden bringt. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass man keinen Sport mehr machen muss, um fit zu sein.» Heute sei er viel besser trainiert als am Anfang seiner Fahrerkarriere. Auch beim Wetter sei er mittlerweile abgehärtet: «Inzwischen macht es mir Spass, draussen zu sein, aber Regen finde ich nach wie vor schlimm», lacht er. «Als Rikschafahrer braucht man eben Durchhaltevermögen und ein dickes Fell. Man sollte sich nicht stressen lassen und Freude an der Arbeit haben.» Und diese Freude, die sieht man Adrian Bracher auf den ersten Blick an.