LYRECO EXPANSION

Wenn wir den Boden unter den Füssen verlieren

Es gibt zahlreiche Gründe, wieso eine Wiedereingliederung plötzlich zum Thema wird. Wenn die Balance zwischen Arbeit, Familie und Freizeit nicht mehr gegeben ist, kann es zum Dauerstress kommen. Die Psyche und der Körper leiden. Den Weg zurück ins Leben ist kein leichter. Er kostet viel Mut, Energie und eine gehörige Portion Ausdauer. Barbara Lorenzo kennt diese Situation nur zu gut. Im Interview erzählt sie, wie sie ihr Selbstwertgefühl und das Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten zurückgewonnen hat.

Barbara, wie hast du gemerkt, dass du an deine Grenzen kommst?

Die Abwärtsspirale begann langsam. Ich merkte zwar, dass mir die Abgrenzung zunehmend schwerer viel, aber ich war in meinem Job glücklich. Ich arbeitete in einem Fachgeschäft in einem Einkaufszentrum. Das Beraten der Kundschaft gefiel mir. Zum anderen faszinierte mich das technische Hintergrundwissen. Nach der vierjährigen Lehre als Augenoptikerin durfte ich dem Bereich weiter treu bleiben. Mit der Zeit wurde der Kontakt mit den Kunden aber immer intensiver, ich war ständig an der Verkaufsfront. Weil so viel zu tun war und Kunden auf eine Beratung warteten, fiel zunächst die eine oder andere Pause aus, und auch die Mittagspause wurde immer kürzer. Manchmal liess ich sie sogar ganz weg und konnte nur schnell was trinken. Anstatt in den wohlverdienten Urlaub zu fahren, blieb ich wegen der vielen Arbeit im Geschäft. Ich bekam immer mehr körperliche Beschwerden und war mit meiner Energie am Ende. Meinen Kopf konnte ich nicht mehr abschalten und startete den nächsten Morgen jeweils schon mit leeren Batterien. Da wusste ich, so kann es nicht weitergehen.

Wie machten sich diese körperlichen Beschwerden bemerkbar?

Die Arbeitszeiten in einem Einkaufszentrum unterscheiden sich stark von anderen Fachgeschäften. Man verliert jegliches Zeitgefühl, weil man kein Tageslicht sieht. Dazu der ständige Zeitmangel bei den Pausen. So habe ich immer öfter vergessen zu essen. Komplette Mahlzeiten fielen aus. Mein Gewicht hat sich innert kürzester Zeit drastisch reduziert. Nebst dem massiven Gewichtsverlust kristallisierte sich raus, dass ich seit Jahren an einem Vitamin-B-Mangel litt. Problematisch wurde es, weil mein Körper eine Aufnahmestörung hat und dieses Vitamin weder über Nahrung noch über Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen kann. Ich litt an Vergesslichkeit, Müdigkeit und enormer körperlicher Schwäche. Heute erhalte ich alle sechs Monate eine Spritze, um den Mangel auszugleichen.

Lyreco ermöglicht den Mitarbeitenden eine gute Work-Life-Balance

Hast du von Anfang an ein Burnout vermutet?

Eigentlich nicht. Ich habe mich auch nie damit auseinandergesetzt. Ich merkte aber, dass ich keine Ruhe und Entspannung mehr hatte. Selbst das Laufen draussen mit dem Hund verschaffte mir keine Erholung. Die Gespräche mit dem Hausarzt haben dann ergeben, dass ich ein Burnout hatte.

 

Wie gelang dir der Weg zurück in den geregelten Alltag?

Ich machte einen stationären Aufenthalt. Das Beisammensein mit Gleichgesinnten hat mir sehr geholfen. Ich lernte Entspannungstechniken, damit ich auch in einem stressigen Alltag nicht wieder den Boden unter den Füssen verliere. All die erlernten Strategien helfen mir heute, eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu halten. Als ich mental und körperlich wieder in der Lage zum Arbeiten war, konnte ich mit Hilfe der IV eine Art Standortbestimmung durchführen. Für mich war von Anfang an klar, dass ich nicht mehr in meinen alten Job zurückwollte. In einem geschützten Rahmen besuchte ich diverse berufsvorbereitenden Kurse: Deutschkenntnisse auffrischen, Bewerbungen schreiben, adressatengerechtes Kommunizieren. Im Anschluss absolvierte ich ein Integrationstraining, damit ich wieder Anschluss in der Berufswelt finde.

 

Du hast ein Integrationstraining bei Lyreco absolviert. Wie kam es dazu?

Die Standortbestimmung ergab, dass ich etwas Neues lernen wollte. Buchhaltung oder Sachbearbeitung interessierten mich. Ich wollte sehen, was hinter dem Verkaufsprozess steckt. Meine Schwester arbeitet seit dreizehn Jahren bei Lyreco. Daher kannte ich den Arbeitgeber und habe Lyreco für ein sechsmonatiges Praktikum im Sinne eines Integrationstraining angefragt. Unterstützung bekam ich dabei von der IV. Und nach den sechs Monaten hat mir Lyreco einen festen Job angeboten, welchen ich natürlich voller Freude annahm.

 

Was hat dich an Lyreco als Arbeitgeber überzeugt?

Von Anfang an fühlte ich mich als vollwertige Mitarbeiterin aufgenommen und sehr wohl. Die Art, wie man miteinander arbeitet und kommuniziert, finde ich wirklich toll und ich erfahre grosse Wertschätzung. Niemand gab mir das Gefühl, nicht dazu zu gehören, weil das Integrationstraining befristetet war. Die Arbeitszeiten sind geregelt, genauso die Kaffee- und Mittagspausen. Der geregelte Tagesablauf vermittelt mir Sicherheit.

Ich gönne mir täglich 30 Minuten Auszeit. Achtsamkeitsübungen oder ein paar Mal bewusst tief ein- und ausatmen können wahre Wunder bewirken.

Barbara Lorenzo
Customer Care Agent

Was machst du heute im Job und in der Freizeit anders als vor deinem Ausfall?

Ich arbeite heute 80 Prozent und habe so einen Extratag nur für mich. Das Spazieren draussen in der Natur mit meinem Hund mache ich heute viel bewusster. Ich geniesse die Natur und die Ruhe und lüfte so meinen Kopf. Das Laufen hilft mir auch körperlich: Es steigert meine Motorik und kräftigt meine Muskeln. Durch die Gewichtsabnahme durfte ich lange Zeit keinen Sport machen. Erst jetzt mit dem Erreichen des Zielgewichts ist ein langsamer muskulärer Aufbau möglich. Entspannung erfahre ich aber nicht nur draussen mit dem Hund. Wichtig ist, dass man auch durch kurze Auszeiten tagsüber für Entspannung sorgt, sogar am Arbeitsplatz. Ich gönne mir täglich 30 Minuten Auszeit. Achtsamkeitsübungen oder ein paar Mal bewusst tief ein- und ausatmen können wahre Wunder bewirken. Zudem finde ich im kreativen Schaffen wie Basteln an meinen freien Tagen einen Ausgleich und die notwendige Ruhe.

 

Wie denkst du heute über deinen Ausfall?

Es war eine harte Zeit. Aber sie war lehrreich. Und ohne mein Burnout wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Ich habe festgestellt, dass ein Einklang zwischen Arbeit und Freizeit nicht utopisch ist. Arbeiten darf streng sein, aber es geht auch ohne Gehetze. Lyreco ermöglicht diese Work-Life-Balance. Das ist sehr motivierend und für mich absolut goldwert. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, dieses Praktikum zu machen. Nicht nur meine Ansicht über einen Bürojob hat sich verändert. Auch ich habe mich verändert. Es ist ein anderer Job, eine andere Welt, und genau da gehör ich hin. Ich möchte das nicht missen.

Ich habe festgestellt, dass ein Einklang zwischen Arbeit und Freizeit nicht utopisch ist. Arbeiten darf streng sein, aber es geht auch ohne Gehetze.

Barbara Lorenzo
Customer Care Agent

Zur Person

Barbara Lorenzo arbeitet seit Anfang 2019 bei Lyreco. Über ein Integrationstraining hat die 30-Jährige ihren beruflichen Horizont erweitert. Als Sachbearbeiterin für Kundenstammdaten arbeitet sie heute eher hinter den Kulissen. Als gelernte Augenoptikerin war sie knapp 12 Jahre an der Verkaufsfront und im stetigen Kontakt mit Kunden.

Barbara Lorenzo verrät im Interview mit Lyreco wie sie die Wiedereingliederung in die Arbeitswelt geschafft hat.